Lebenslanges Lernen: Warum Neugier vielleicht der schönste Luxus ist, den man sich leisten kann.
Heinz-Willi Laeven – aus der Direktion Privat- und Geschäftskunden der Sparkasse Aachen – steht kurz vor dem Ruhestand. Doch von Rückzug kann keine Rede sein. In dieser Episode spricht er mit den LOGO!-Magazin-Redakteurinnen Sarah Hörmann und Sarah Lohmann über seine Pläne für die Zeit nach dem Fulltime-Job, das Sprachenlernen und den Austausch zwischen Generationen. Außerdem geht es um die Frage, weshalb menschliches Urteilsvermögen gerade im KI-Zeitalter unverzichtbar bleibt. Ein Gespräch über Neugier, Perspektivwechsel und die gute Gewohnheit, auch nach dem letzten Arbeitstag nicht aufzuhören, dazuzulernen.Was Sie wann im Podcast hören können:
- 00:00 Intro
- 02:07 Motivation und Druck
- 03:21 Gemeinschaft beim Lernen
- 04:00 Hobbys und persönliche Entwicklung
- 07:28 Wichtigste Fähigkeiten im Berufsleben
- 08:04 Generationendialog und Werte
- 09:18 Tipps für junge Mitarbeitende
- 10:20 Methoden des Lernens
- 11:30 Outro und Ausblick auf nächste Folge
LOGO! auf die Ohren – zum Mitlesen
Sarah Hörmann: Es ist wieder so weit. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zu unserer Herbstfolge. Am Mikrofon sind für Sie heute wieder die zwei Sarahs aus der LOGO!-Redaktion. Aber heute haben wir einen neuen Gast an Bord. Herzlich willkommen Heinz-Willi Laeven, Direktor des Bereichs Privat- und Geschäftskunden der Sparkasse Aachen.
Heinz-Willi Laeven: Ja, Hallo. Vielen Dank, dass ich dabei sein darf bei einem Podcast. Das ist der Erste in meinem Leben. Und die Kollegen haben gemeint: Lebenslanges Lernen wird für jemanden, der kurz vor dem Ruhestand ist, gut passen.
Sarah Hörmann: Ja, das passt perfekt zu unserem Thema, dass es jetzt ihr erster Podcast-Auftritt ist. Life Long Learning. Heute wird Podcast machen gelernt.
Sarah Lohmann: Wir widmen uns dem Thema, warum wir eigentlich lernen. Denn früher war es für die Noten in der Schule, dann war es vielleicht für den Aufstieg im Job, fürs Gehalt. Aber uns interessiert, was passiert, wenn dieser Druck wegfällt? Lebenslanges Lernen zeigt sein wahres Gesicht nämlich dann, wenn man es einfach aus reiner Lust am Entdecken tut.
Heinz-Willi Laeven: In den ersten Jahren im Berufsleben ist man sehr geprägt von Weiter- und Fortbildung. Das war ähnlich zur Schule, auch mit dem Noten- und Abschlussdruck. Das verliert sich aber im Laufe der Berufsjahre, wobei das dann ein schleichender Prozess ist. Es gibt Veränderungen, denen stellt man sich, aber das habe ich nicht mehr so als Lernen empfunden.
Sarah Hörmann: Das Schöne ist ja auch immer, natürlich muss man bei der Arbeit viel Neues lernen, viel mitgehen, aber die Arbeit ist ja auch nicht das einzige im Leben und im Alltag gibt es auch vieles zu lernen.
Sarah Lohmann: Und da lernen Sie ja gerade Englisch.
Heinz-Willi Laeven: Ja, das hat meine Frau angestoßen. Man macht sich Gedanken: „Was machen wir denn so ab dem 01.01.27, wenn die Sparkasse dann nicht mehr einen großen Raum einnimmt?“ Und meine Frau war schon immer so unterwegs, dass sie noch mal eine Sprache lernen wollte. Sie hat dann mit Spanisch begonnen und dann gesagt: „Du könntest auch was machen!“ Dann habe ich mich für Englisch entschieden und seit ein paar Monaten sind wir in dem Prozess drin. Auch das macht Spaß, vor allem, weil es ohne jeden Druck erfolgt, freiwillig ist. Nicht wie früher Schule, wo dann Vokabeln abgehört worden sind und man Tests schreiben muss.
Sarah Hörmann: Wir würden dann jetzt hier schon kurz zu Englisch wechseln wollen.
Heinz-Willi Laeven: Vielleicht machen wir das, wenn das Mikro aus ist.
Sarah Lohmann: Sie haben gerade gesagt, Ihre Frau büffelt Spanisch, Sie sind beim Englischen dabei. Wer hat denn da die Nase vorn?
Heinz-Willi Laeven: Also meine Frau ist schon ehrgeiziger als ich. Wir machen das über Duolingo und das nervt schon. Wenn man abends, sagen wir gegen acht, neun Uhr noch nicht die Tageslektion gelernt hat, dann kriegt man eine WhatsApp nach der anderen und das nervt. Aber das bewirkt am Ende, dass ich, manchmal kurz vor dem Schlafengehen, noch die zehn Minuten oder Viertelstunde investiere, damit Duolingo Ruhe gibt.
Sarah Hörmann: Bei welchem Tag sind Sie denn?
Heinz-Willi Laeven: Ich habe jetzt einen 150-tägigen Streak. Man geht abends zu Bett und dann kommt noch die vierte Nachricht: „Du vergisst mich, du vernachlässigst mich.“
Sarah Lohmann: Wie so ein kleines Haustier.
Heinz-Willi Laeven: „Lass das nicht abreißen.“ Dann setzt das schlechteste Gewissen ein und es wird noch schneller erledigt.
Sarah Lohmann: Wäre das auch einer Ihrer Tipps, dranzubleiben, dass man ein bisschen gepusht wird von außen? Wenn es dann eine grüne Eule ist, dann eben von der kleinen grünen Eule?
Heinz-Willi Laeven: Ja, die Erfahrung habe ich schon gemacht, dass wenn man einen Partner hat, mit dem man lernt, sich vorbereitet, dass dann so ein gegenseitiges Anstacheln und auch ein gegenseitiges, sage ich mal, sich unterstützen schon sehr hilfreich ist, als wenn man so allein auf weiter Flur ist. In der Gemeinschaft tut man sich da leichter.
Sarah Lohmann: Und neben dem Sprachenlernen steht ja noch etwas bei Ihnen was auf dem Zettel, an das man ganz häufig denkt, wenn man an den Ruhestand einer Führungskraft denkt: Man sieht den Golfrasen.
Heinz-Willi Laeven: Ja, da bediene ich jetzt wahrscheinlich ein Klischee. Sport habe ich immer gerne betrieben. Die Bälle wurden dann immer kleiner und man kommt zu Golf. Ich komme ursprünglich vom Fußball, habe in meinem Dorfverein gespielt, von der Jugend bis zum alten Herrn. Ich habe Platzreife gemacht vor zwei Jahren. Aber ich muss feststellen – und das ist auch ein Klischee – die wirtschaftliche Arbeitszeit und das Handicap haben einen direkten Zusammenhang. Also ich kriege es nicht hin, in der Woche mal zu spielen. Am Wochenende ist dann schlechtes Wetter oder wir haben etwas vor. Insofern kommt das zu kurz und freue mich darauf, im nächsten Jahr intensiver zu spielen.
Sarah Lohmann: Und Sie möchten parallel auch noch auf den Bauernhof.
Heinz-Willi Laeven: Und beides ist eben wirklich ein bewusster Kontrapunkt zu meiner jetzigen Aufgabe, wo ich seit vielen Jahrzehnten im Büro sitze, mit Papier arbeite, nicht körperlich. Insofern freue ich mich auf den Sport, aufs Golfen und ich bin Bauernsohn, meine Eltern hatten einen Bauernhof. Da kommt der Bezug her.
Sarah Lohmann: Das finde ich spannend, dass Sie sich da einen bewussten Kontrast schaffen zu Ihrem aktuellen Alltag.
Sarah Hörmann: Das wollte ich gerade fragen: War das ein Ansatz für Sie, dass Sie sagen, Sie machen die Sprache vielleicht für den Geist und dann Golf und Bauernhofarbeit für das Körperliche?
Heinz-Willi Laeven: Im Grunde genommen unbewusst. Englischlernen ist ja, wie ich gerade beschrieben habe, über meine Frau entstanden. Das Golfen war schon ein Vorsatz, einfach Sport zu treiben oder an der frischen Luft zu sein. Die Idee mit dem Bauernhof ist bei einem Bier entstanden. Ich habe noch, wie gesagt, familiären Bezug zu Landwirtschaft. Es macht Spaß und ist eben ein Kontrast zu dem, was ich bisher gemacht habe.
Sarah Hörmann: Das verstehe ich. Ich habe das auch schon gemacht nach dem Abi, ein Jahr auf einem Bauernhof. Und manchmal denke ich mir: Jetzt mal einen Nachmittag Tiere füttern!
Sarah Lohmann: Und da wären wir auch bei ganz vielen Projekten, die man anfängt, voller Euphorie, voller Enthusiasmus und die man dann ganz leise wieder wegstellt. Ich wollte mal Gitarre lernen. Was ist es denn bei Ihnen?
Heinz-Willi Laeven: Ja, ich habe mal in jungen Jahren angefangen, Tuba zu spielen, habe das auch sehr gerne gemacht. Aber wie das so als Teenager ist, kam dann gleichzeitig der Fußballverein auf mich zu und sagte: „Mensch, wie wäre es denn bei uns in der B-Jugend, damals 14, wenn du mitspielst?“ Ich habe mich für Fußball entschieden, habe das immer auch mal bereut, weil Musik fand ich schon toll, auch die Gemeinschaft, also so Musikverein, Instrumentalverein. Aber ich habe nie mehr den Zugang gefunden, weil allein schon beim Tubalernen damals, da musste man schon die Fenster zumachen. Und trotzdem hat die Nachbarschaft es mitbekommen.
Sarah Hörmann: Aber es ist ja noch nicht zu spät. Ich habe für die LOGO!-Titelstory das music-loft aus Aachen interviewt und die haben ein Programm, das Anti-Aging Bläser-Ensemble. Da darf man mit null Vorkenntnissen einsteigen, ein Blasinstrument lernen und in einem Ensemble spielen.
Sarah Lohmann: Und jetzt hätten Sie die Zeit!
Heinz-Willi Laeven: Das Grundinteresse wäre auch vorhanden, aber so ein Blasinstrument oder Blechblasinstrument… Das zu erlernen, vor allem wenn dann in der ersten Zeit auch die Töne nicht immer so gerade rauskommen, das grenzt schon an Körperverletzung.
Sarah Hörmann: Da könnte sonst ein Nachbarschaftsstreit entstehen. So, dann würde ich sagen, wir gehen noch mal kurz zurück in ihr Berufsleben, wir wollen nochmal auf Ihre Anfänge. Was ist die wichtigste Fähigkeit, die Sie erst über Jahrzehnte lernen mussten und die in keinem Lehrbuch steht?
Heinz-Willi Laeven: Ich muss für mich sagen, dass ich aus der Rückschau am wichtigsten fand, aus der Vielzahl der Themen, aus der Vielzahl der Informationen, die relevanten Dinge herauszufiltern. Also sich einen Überblick zu verschaffen, auch die Relevanz der Themen, die auf dem Tisch liegen, schnell zu erfassen und daraus folgend Entscheidungen zu treffen und oft Entscheidungen zu treffen mit einem gewissen Maß an Unsicherheit. Ich glaube, das sind Dinge, die kann man nicht im Lehrbuch oder in einem Seminar oder im Studium erlernen. Das sind Dinge, da prägt wirklich der Alltag, dass man sich traut. Das ist auch das, was ich den jungen Kollegen mitgebe, die erste Führungsverantwortung sammeln – traut euch.
Sarah Hörmann: Sie haben jetzt schon gesagt, das ist etwas, das Sie auch an Ihre jüngeren Kollegen weitergeben. Was würden Sie sagen ist das Wichtigste, was Sie im Generationenaustausch weitergegeben und erhalten haben?
Heinz-Willi Laeven: Die Flexibilisierung der Arbeitswelt ist etwas, da steckt dieses Gefühl für eine bewusste Work-Life-Balance drin. Und das gucke ich mir von jungen Leuten schon was ab. Das fällt mir nicht immer leicht, denn man ist ja über viele, viele Jahrzehnte geprägt worden. Aber das sind schon Dinge, die ich sehr interessant finde und die ich auch gut finde. Zum zweiten Teil Ihrer Frage, was würde ich an junge Leute weitergeben? Das hört sich vielleicht hochtrabend an, aber mir macht meine Arbeit Spaß. Den Spaß bei der Arbeit zu haben, das Positive zu sehen. Ich sage meinen Kolleginnen und Kollegen immer, das Glas – auch wenn es Probleme gibt – ist immer halb voll und nicht halb leer. Auch alte Wertbegriffe versuche ich hochzuhalten. Ich finde es wichtig, dass man sich engagiert, dass man pflichtbewusst ist und hilfsbereit.
Sarah Hörmann: Wir merken es auch bei uns im Team, wie die Generationen zusammenarbeiten – wir sind eher im unteren Altersbereich, aber ich finde es spannend, wie viel man lernen kann und wie viel man zurückgeben kann.
Heinz-Willi Laeven: Ich glaube, es kommt darauf an, dass man nicht in Extremen lebt, Schwarz-Weiß-Denken ist problematisch. Das hat auch wenig mit Gemeinsinn und Teamfähigkeit zu tun – so wie Sie es gerade sagen, man muss aufeinander zugehen.
Sarah Hörmann: Um das jetzt konkret auf das Lernen zu beziehen: Lernen tut man ja schon immer. Das hat man gemacht, bevor es KI gab, bevor es Computer gab. Und ich denke, es gibt viele Möglichkeiten, wie man es angeht. Also nehmen Sie uns doch mal mit an Ihren Schreibtisch. Wenn Sie sich jetzt in neues Thema reinfuchsen müssen? Nehmen Sie da Post-its, nehmen Sie Apps? Wie gehen Sie ran?
Heinz-Willi Laeven: Also ich bin durch mein Alter geprägt. Ich lerne, so wie ich es ein Leben lang getan habe, sehr stark analog. Wenn Sie sich umdrehen, würden Sie auch viel Papier sehen.
Sarah Lohmann: Ja, da ist ein Zettel und ein Stift.
Sarah Hörmann: Und ganz viele Bildchen.
Heinz-Willi Laeven: Ja, das sind meine Kolleginnen und Kollegen.
Sarah Hörmann: Ich glaube, dass der große Fallstrick von Technik ist, sie für alles nutzen zu wollen. Und das Wichtigste, was man eigentlich wissen muss, ist, wann es Sinn macht und wann nicht. Ich lerne tatsächlich auch gerne noch analog.
Heinz-Willi Laeven: Ich glaube auch das ist vielleicht so ein Generationsthema. Wenn man über die Jahrzehnte die Entwicklung von Technik erlebt und sie als hilfreich und sinnvoll empfindet, dann kennt man trotzdem noch die alte Welt und ist dann vielleicht auch eher in der Lage, Ergebnisse, die die Technik liefert, zu verifizieren. Also grob gesagt: Kann das sein? Ist das schlüssig? Oder kann das nicht sein? Ich versuche meinen jungen Kollegen immer mit auf den Weg zu geben, dass die Technik super ist, dass die uns hilft und Arbeit abnimmt und die Prozesse effizienter werden. Aber dass am Ende immer ein Mensch entscheidet. Und das finde ich, darf uns nicht verloren gehen, dass man Technik als wertvolle Unterstützung sieht, aber am Ende noch die Dinge plausibilisiert werden müssen.
Sarah Hörmann: Der Mensch muss immer noch dabei sein. Man darf nicht blind auf die Technik vertrauen. Das finde ich auch wichtig. Jetzt sind wir schon aber sehr tief in das Thema eingestiegen. Sehr spannend auf jeden Fall, aber jetzt zum Abschluss würden wir trotzdem noch unseren üblichen Fragenhagel machen. Wir machen es schnell und kurz. Sie kriegen eine kleine Abfolge von Entweder-oder-Fragen und dürfen sie einfach ganz aus dem Bauch heraus beantworten. Sind Sie bereit?
Heinz-Willi Laeven: Gerne, legen Sie los.
Sarah Hörmann: Ein Fachbuch im Sessel oder ein Podcast beim Spaziergang?
Heinz-Willi Laeven: Ganz eindeutig – das Fachbuch im Sessel.
Sarah Hörmann: Erst aufmerksam die Anleitung lesen oder einfach loslegen und aus den Fehlern lernen.
Heinz-Willi Laeven: Einfach mal machen.
Sarah Hörmann: Mathematik oder Sprachen?
Heinz-Willi Laeven: Menschen sind mir am wichtigsten. Ich würde eher zu Sprachen neigen, weil ich mich damit gerade beschäftige. Aber ich finde, am wichtigsten sind die Menschen.
Sarah Hörmann: Die Menschen, das ist sehr schön. Das ist ein schöner Abschluss.
Sarah Lohmann: Ein riesiges Dankeschön für das Gespräch. Wir nehmen heute mit: Lebenslanges Lernen ist das schönste Privileg, was wir haben. Sie dürfen sich jetzt schon freuen auf die nächste Folge „LOGO! auf die Ohren“. Dann mit Andreas Kreitz, ebenfalls aus der Direktion Privat- und Geschäftskunden der Sparkasse Aachen. Teilen Sie die Episode mit Freundinnen und Freunden und vor allem: Hören Sie nie auf zu lernen.
Heinz-Willi Laeven: Vielen Dank!
Sarah Hörmann & Sarah Lohmann: Vielen Dank an Sie!
Sarah Hörmann: Ich würde sagen, wir gehen jetzt ein paar Printen essen, oder?
Sarah Lohmann: Ja.
